Zusatzluftfederung für Fiat, Citroen und Peugeot Fahrzeuge (250er) zur Auflastung des Fahrzeugs

Um unseren „neuen“ Pössl Kastenwagen von den zulässigen 3300kg Gesamtgewicht auf eine zulässige Masse von 3500kg zu bekommen war eine Aufrüstung nötig.

Das Fahrwerk und die Bremsen sind an sich für dieses Gewicht ausgelegt, doch sparen sich manche Ausbauer bei der Auswahl des Basisfahrzeugs die Mehrkosten der 3,5to Version. Hier ist je nach Version (PeuCiFi) eine zweite Blattfeder oder eine stärkere Einzelfeder eingebaut.

Die 3,3to Version hat dazu den Nachteil das sie durch die schwache Federauslegung häufig schon durch das Mehrgewicht des Ausbaus den meisten Federweg verliert. Das hat die Folge das die Feder bereits auf dem Anschlagelement aufliegt und das Fahrwerk sehr störrisch wird.

Nachdem das bei uns der Fall war mussten wir uns die Alternativen ansehen.

Möglichkeit 1: Zusätzliche Schaubfedern

Diese Variante ist für den Umbau die einfachste, da über die hinteren Achsanschläge nur eine Zusatzfeder montiert wird, die sich auf dem Rahmen und der Blattfeder abstützt.

Vorteil: Einfacher Einbau, keine Zusatzinstallation von Kompressor, Leitungen usw. wie bei der Luftfederung nötig. Die Federn sind absolut unanfällig gegen Schäden von außen (klar, Luft verlieren können sie schon mal nicht)

Nachteil: Es ist keine Anpassung an ein wechselndes Fahrzeuggewicht möglich. Wer also unregelmäßig mit Zusatzgewicht unterwegs ist (Roller oder Motorrad auf einem Heckträger oder einem Anhänger mit großer Stützlast) der muss bei unbeladenen Fahrten mit der etwas strafferen Federung klar kommen.

Möglichkeit 2: Zusatzluftfederung

Bei dieser Version werden Achsanschläge entfernt und durch Luftbälge ersetzt. Diese stützen sich wie die Zusatzschraubfedern an den vorhandenen Punkten der Karosserie und der Feder ab.

Vorteil: Die Luftunterstützung bietet die Möglichkeit an die verschiedenen Ladungszustände angepasst zu werden. Durch den einstellbaren Luftdruck kann das Fahrzeug in relativ waagerechtem Zustand gefahren werden. Dadurch bleibt auch der Federweg trotz ändernder Belastungen gleich.

Nachteil: Aufwändigerer Einbau, da zusätzlich zu den Luftbälgen auch noch die Anschlussleitungen verlegt werden müssen. Je nach Ausstattung der Anlage kommt die Installation eines Kompressors, Schalter und Manometer zur Luftdruckeinstellung und -überwachung dazu. Bei Schäden am System ist das Fahrzeug ggf. nicht mehr fahrfähig, da die Bälge unter 1bar Systemdruck nicht richtig arbeiten und es ja nach Beladung und Bereifung dann auch schnell mal eng im Radhaus wird, wenn der Kasten hinten durchhängt. Da ist aber nur zur Vollständigkeit erwähnt, die Luftfedersysteme sind sehr zuverlässig, werden schon Jahrzehnte eingesetzt und sind auch bei Transportern im Warentransport im Dauereinsatz vollkommen haltbar.

Wir haben uns für eine Luftfederung entschieden, da wir in Zukunft sowieso noch einen Kompressor für Druckluft einbauen wollen. Damit können wir dann dann den Reifenluftdruck der Bikes einstellen, die Federung justieren oder mal einen Ball oder Luftmatratze aufblasen. Aus diesem Grund haben wir auch die einfache Variante von Goldschmitt ohne Kompressor gewählt. Die gibt es schon für unter 400€ inkl. dem für die Auflastung nötigen Gutachten.

Im Kit sind folgende Teile erhalten:

  • zwei Luftbälge mit vormontierten Aufnahmen für die Blattfedern
  • Die Fahrerhauseinheit mit den Manometern für den Luftdruck und den zwei Befüllventilen
  • Luftleitungen zur Verbindung der Bälge mit der Fahrerhauseinheit und die dazu nötigen Steckverbinder.

Die Version mit Kompressor ist bei diesen Teile gleich, eine Nachrüstung ist also in jedem Fall möglich.

Der Einbau besteht aus zwei Schritten:

  • Einbau der Luftbläge an der Hinterachse
  • Verschlauchung und Einbau der Fahrerhauseinheit

Grundsätzlich ist der Einbau nicht besonders schwierig, ist ja keine Raketentechnologie sondern eher so das Postkutschenfahrwerk. Wer sich allerdings gerade einen Radwechsel traut und da noch überlegt ob er das passende Werkzeug auch hat sollte jetzt eher über einen Werkstattbesuch nachdenken. Da sind die Kosten auch nicht unüberschaubar, da der Einbau wie gesagt mit der richtigen Ausrüstung nicht schwer ist.

Bei allen Arbeiten ist auf die nötige Sicherheit zu achen! Bitte passt da auf, so ein Gefährt ist nicht leicht!

Folgende Werkzeuge werden gebrauch (Liste ist evtl. nicht ganz vollständig):

  • großer Ratschenkasten
  • Langer Knebel oder anders langhebliges Werkzeug, alternativ Schlagschrauber
  • Gabelschlüssel
  • Hammer
  • Meisel
  • Drehmomentschlüssel > 180N
  • Scharfes Messer zum schneiden der Luftleitungen (Skalpell, scharfes Teppichmesser oder ähnliches)
  • Wagenheber, Unterstellböcke, Hebebühe oder andere Möglichkeit zum anheben der Hinterachse.

Zum Einbau der Bälge ist es nicht nötig aus Fahrzeug hinten komplett anzuheben oder die Räder zu demontieren. Es genügt die Achse zu entlasten, das die Federanschläge frei sind.

Auf diesem Bild kann man schon gut erkennen wie der Achsanschlag sich durch die Jahre bei der Dauerbelastung verformt hat.

Jetzt werden die Achsanschläge entfernt. Diese sind mit einem Gewindestift auf der Oberseite versehen und können einfach vom Rahmen abgeschraubt werden. Nach einem Schlag mit Hammer und Meisel (wer den passenden Hakenschlüssel hat kann auch diesen verwenden ;-)) lassen sich die Teile einfach heraus drehen.

Hier der Vergleich der Anschläge zu den Luftbälgen:

Die Luftbälge besitzen auf der Oberseite die gleichen Gewinde und werden auch wir die Anschlaggummis mit dem Rahmen verschraubt.

Um die Bälge leichter Eindrehen zu können ist es sinnvoll diese vor der Montage zusammen zu drücken und mit einem Spanngurt zu fixieren. Das vergrößert den freien Raum ungemein.

Vor dem Einschrauben der Bälge unbedingt wie in der Einbauanleitung beschreiben die Luftanschlüsse montieren und die Befestigungsschrauben der unteren Halterung leicht lösen das diese sich drehen lässt. Das ist nötig um den Balg an die Achse auszurichten.

Dann beide Bälge einschrauben und festziehen (Bild zeig nicht ganz eingeschraubten Balg)

Jetzt können die Bügel die die Achse an der Blattfeder halten, sogenannte Federbirden entfernt werden. Wenn das Fahrzeug hinten nicht ganz angehoben ist und die Räder auf dem Boden stehen ist keine weitere Abstützung nötig, da die Achse durch Zapfen in der Feder gehalten werden. Ist das Fahrzeug komplett aufgebockt muß die Achse unbedingt nach unten abgestützt werden.

Die Halteplatte links im Bild wird nicht mehr benötigt, sie wird durch die untere Balghalterung ersetzt.

Anschließend die Klammer für den Handbremszug entfernen, da diese mit der unteren Halterung des Luftbalg kollidiert. Die Klammer wird nicht mehr benötigt, der Zug kann dann an der Balghalterung befestigt werden.

Jetzt beginnt der Zusammenbau in umgekehrter Reihenfolge. Die Bügel werden über die Balghalterung gelegt und mit der Achse verschraubt.

Die Mutter müssen mit einem Drehmoment von 180nm angezogen werden.

Sind die Achsbügel befestigt können die unteren Halter der Bälge auch wieder fest verschraubt werden. Vorher darauf achten, das der Balg in keinem Fall an anderen Fahrwerksteilen reiben kann oder in sich verdreht ist.

Zuletzt noch die Züge der Handbremse mit den Halterungen verbinden. Diese können einfach mit Kabelbindern befestigt werden, die Halterungen haben dafür enstsprechende Öffnungen. Bitte verwendet keine Kabelbinder aus dem Discounter. Hier lohnt es sich Qualitätsware zu kaufen, die billigen Dingen halten kaum etwas aus.

Das war der erste Teil mit dem Einbau der mechnischen Teile an der Hinterachse. Die Verlegung und der Anschluss der Schläuche folgt demnächst……..

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