Mit dem Mountainbike über die Alpen

Alpencross Garmisch – Gardasee mit Mountain- & Ebike

Jetzt oder Nie!

Ein großer Punkt auf meiner Bucket List war die Alpenüberquerung mit dem Fahrrad. Nachdem ich dieses Jahr durch Corona, dem damit verbundenen Lockdown und einem Jobwechsel viel Freizeit hatte, hieß es, jetzt oder nie!

Ich konnte mich ideal auf meine erste lange Mehrtages-Tour vorbereiten. Man sollte ich Vorfeld erwähnen, das ich trotze Allem bis auf eine 2-Tages Tour vorher zeitlich keine langen Radtouren unternommen habe.

Nachdem wir uns für die erste Überquerung nicht an das selbst planen getraut haben, bin ich nach einiger Recherche auf folgenden Reiseführer gestoßen:

Die Hotels haben wir vorab gebucht, aber das Gepäck auf dem Rücken und den Rädern verstaut. Das Roadbook ist praktisch zum einlesen, was einen am Tag erwartet und die GPS Daten habe ich mir auf mein Handy runter geladen. Damit konnten wir fahren, wie mit einem Navi. Was sich als wirklich praktisch erwiesen hatte. Tim wollte uns als Begleitfahrzeug einige Tage später einholen, deshalb begleitet mich mein bester Freund auf seinem Fully ohne Motor.

Los geht´s.

Etappe 1

Am Fuß der Zugspitze – von Grainau nach Imst

01.07.2020 – Der erste Tag, hohe Motivation.

Nachdem wir in Garmisch geparkt hatten, ging es bei strahlend blauem Himmel um den Eibsee hinauf zur Hochthörlehütte (1459m). Direkt unter der Zugspitzbahn entlang genießen wir die Aussicht auf den See und das Zugspitzmassiv.

Der im Reiseführer empfohlene Zwischenstopp an der Hochthörlehütte wurde von mir als erste Lademöglichkeit meines 500 Wh Akkus. Leider hat uns dann schon der Sonnenschein verlassen und wir fuhren bei starkem Regen abwärts weiter nach Ehrwald (1020m).

Der bereist im Internet angekündigte Lärchenwald, der jeden Alpencrosser in den Bann zieht, hat uns begeistert und wir konnten ihn bei einer Zwangspause wegen starkem Gewitter länger genießen. Eigentlich ist es nur ein kleines Waldstück, wir hatten ihn uns etwas größer vorgestellt.

Auf der Via Claudia Augusta ging es weiter über den Fernpass und machen eine Rast an der „Schönen Aussicht“ (1270m) .

Weiter gehts zu unserem Etappenziel Imst. Dort haben wir uns in der uringen https://www.romedihof.at/ Hostel eingemietet. Wirklich liebevoll renovierte Zimmer in denkmalgeschützen Gebäude versprühen einen rustikalen Charm. Eine Fahrradgarage mit Wasch- und Reparaturmöglichkeit war auch vorhanden. Wir hatten eine wirklich unvergessliche Übernachtung.

Kurze Notizen

# Morgen Po Creme Testen

# Bei Blitz nicht unter einen Baum stellen, sondern in die Hocke gehen

# Wenn es regnet folgt in den Bergen oft Hagel

# Jugendherbergen haben definitiv ihren Reiz

# Auf losem Schotter Höhenmeter krackseln ist noch spaßig

# Das Runterladen der GPS Koordinaten war definitiv die richtige Entscheidung, nur mit dem Roadbook wären wir verlassen gewesen.

Etappe 2

Beeindruckende Grenzgänge – von Imst nach Nauders

Wir starten bei leichtem Regen in Imst und rollen den Inntalradweg nach Landeck. Gemütlich der Via Augusta entlang lassen wir die Räder einrollen. Am Schloss in Zams gehts es über die Fließer Platte sportlich in Richtung Pfunds über einige Trails bis wir in der Schweiz landen. Ab dort fahren wir die 11 Kehren hinauf auf die Norbertshöhe (1409m). Von dort aus haben wir einen wunderschönen Ausblick auf Nauders und rollen über einen Trail hinab in die Stadt.

Dank Corona haben wir hier ein richtiges Schnäppchen gemacht. Wir steigen im Hotel Tia Monte in Nauders ab. Hier geht´s zur Homepage https://nauders.accenthotels.com/de

Im Hotel haben wir so richtig die Seele baumeln lassen und den Abend bei Nutzung der Saunen und des Dampfbades ausklingen lassen.

Notiz zum 2. Tag

+ 11 Kehren bleiben 11 Kehren

+ Alpakas lassen sich nicht wie Hunde locken

+ Hotel mit Wellness ist brauchbarer Luxus

+ Nur weil da ein Schild mit „Räder schieben“ steht, muss man noch lange nicht schieben.

+ In der Schweiz hat das Wasser IMMER Trinkqualität

+ Wenn der Hintern beim los fahren schon weh tut, verschwindet das über den Tag auch nicht

Etappe 3

Die Sonnenseite – Nauders nach Meran

Nachdem wir uns im Luxus Hotel ein leckeres Frühstücksbuffet genehmigt hatten, ging es weiter am Reschensee entlang nach Meran.

Tim, der mit dem Kastenwagen als Servicewagen gestern Abend in Nauders dazu gekommen war, verlässt uns am Wahrzeichen vom Reschensee, dem Kirchturm im See, wieder. Nachdem die Räder keine Probleme machen, wird er am Ziel unserer Reise am Gardasee auf uns warten.

Diese Etappe war Balsam für den Hintern, immerhin ging es nur bergab ca 300 Höhenmeter. Italien ist nun das 4. Land der Reise ( Deutschland – Österreich – Schweiz – Italien) und schon klart das Wetter auf.

Der Tag ist gespickt von Weitblicken, Apfelplantagen, wunderschönen kleinen Orten und Fotomotiven wohin man schaut.

Der Weg führt uns nach Meran in das bei der Pferderennbahn gelegene Hotel Cavalliono. Hier der Link http://www.cavallinomerano.com/web/index.php/de/ Solltet Ihr dort eine Übernachtung buchen, müsst Ihr umbedingt auch dort zu Abend essen. Wir hatten dort das wirklich beste Abendessen der ganzen Reise. Die italienische Küche ist wirklich ausgezeichnet. Nach einer kurzen Stadtbesichtigung von Meran, fallen wir müde ins Bett.

Kurze Notizen des Tages:

  • Po tut trotz Po Creme immernoch weh
  • Falabella sin die süßesten Ponnys
  • Leckeres essen motiviert
  • Auch bergab fahren ist anstrengend – vor allem im Stehen
  • Windproof bedeutet nicht Watherproof
  • Sightseeing geht auch nach fast 100km noch
  • In Italien schmeckt die Pizza auch am Mittag am Besten

Etappe 4

Überall Äpfel – Meran nach Cles

Nach einem italienischen Frühstücksbuffet starten wir gestärkt in den Tag, der direkt in Meran mit einem sehr steilen Anstieg in die Weinberge beginnt. Das ist aber erst der Anfang, der Gampenpass mit seinen 1518m verlangt uns so viel ab, das wir erstmal bei einer leckeren Portion Pasta al oglio einkehren müssen.

Der Tag ist von starken Steigungen von bis zu 25 Prozent gespickt. Die Anstrengung lässt und die Blumenpracht, die Apfelpantagen und dann die Weinanbaugebiete gar nicht richtige genießen.

Kurz vor unserem Etappenziel Cles überqueren wir noch mit letzter Kraft die Brücke des Stausees Lago di Santa Giustina.

So glücklich ein Etappenziel erreicht zu haben, waren wir auf der ganzen Reise nicht. Die Kraft schwindet, was bei einer Tagesetappe von 53 km und 1470 Höhenmetern aber auch völlig in Ordnung ist. Immerhin sind wir bei Tag 4.

Wir bestellen mit Händen und Füßen ein italienisches Menü im Hotel und gehen nach einem kurzen Spaziergang um den Block schnell schlafen. Hier unser Hotel in Cles https://www.albergotuenno.com/de/ Aber bitte beachten, hier am Fuße der Dolomiten wird kein Deutsch mehr gesprochen. Die Inhaber sind unwahrscheinlich Freundlich, Hilfsbereit und das Zimmer hat mit seinem Top modernen Design absolut überzeugt.

Zeit für kurze Notizen:

+ Besser man findet am letzten Tag den Labello als gar nicht mehr

+ Pass Abfahrten können auch Spass machen

+ Der Po kann ab einem gewissen Punkt nicht noch mehr weh tun

+ Wasserfälle haben etwas mit Höhe zu tun, schlecht bei Höhenangst

+ Motivation durch vor sich hin singen funktioniert

+ Mein italienisch ist wirklich eingestaubt

Etappe 5

Die Spuren der Bären – Cles nach Riva del Garda

Wir hatten eine super ruhige Nacht und einen ganz entspannten Morgen. Das Wetter verspricht mal wieder Sonnenschein. Willkommen in Italien. Wir fahren gemütlich vor uns hin mit leichter Steigung bis nach Andalo. In dem Wintersportort Andalo waren wir von den Menschenmassen wie erschlagen. Immerhin ist es mittlerweile Sonntag und das lädt beim Italiener zum flanieren ein. Und für uns ist es die Einladung für eine kleine Pause.

Durch steinige Passagen arbeiten wir uns durch die Bärenwälder. Teilweise waren durch die Steigung und die losen Steine einige Schiebepassagen notwendig. Die Hitze machte uns gut zu schaffen.

Ab jetzt läuft es fast von alleine. Wir sind super motiviert und freuen uns auf die letzten Kilometer am Sarca entlang nach Riva.

Wir kommen an die Mündung am Gardasee . Was jetzt? Erstmal Freude – wir sind am Ziel.

Hinter uns liegen 386,63 km, 6020 Höhenmeter, 5 Etappen

Jetzt ab auf den Campingplatz an dem Tim mit dem Begleitfahrzeug breits auf uns wartet.. Hier findet Ihr die Empfehlung und einen kurzen Bericht des Campingplatzes I-38069 Torbole sul Garda – Camping Europa

Notizen zur letzten Etappe:

  • Italien ist die Apfelkammer Europas
  • Sonnenschutz niemals vernachlässigen
  • Nach Apfelplantagen kommen Weinberge
  • Definitiv keine Rentnertour
  • Wir habe´s geschafft Alpencross 2020 – bin total stolz auf mich
  • Mein Hintern freut sich auf die Regeneration. Sonst tut nix weh.

Fazit der Tour

Die beste Entscheidung war der Reiseführer, durch die Routenbeschreibungen und die GPS Daten waren wir immer sicher auf dem richtigen Weg zu sein. Hier nochmal der Link zum Reiseführer, falls du auch mit dem Gedanken spielst, über die Alpen zu fahren https://amzn.to/2Jz4tdZ

Mit dem Gepäck nicht zu großzügig sein, wir haben an jeder Übernachtungsstelle unsere Kleidung ausgewaschen und am nächsten Tag war sie wieder einsatzbereit. Also nicht zu viel mit nehmen, ist nur unnötiger Ballast. Ebenso sollte man sich, wie wir es getan haben, untereinander absprechen, wer nimmt die Fahrradpumpe etc mit, nicht das man alles doppelt auf dem Rücken hat.

Mittagspause haben wir eigentlich immer auf dem Weg in einer Gaststätte gemacht. Ein paar Energie Riegel hatten wir dabei, aber für Mittag musste immer was richtiges her.

Die Hotels vorher zu buchen wäre definitiv in Zeiten von Corona nicht notwendig gewesen. Aber es gibt eine gewisse Sicherheit, wenn man den Zielhafen kennt. Ich war teilweise bei der Zieleinfahrt so platt, ich hätte nicht noch eine Unterkunft suchen wollen.

Die Räder haben super durchgehalten. An jeder Gaststätte und in jedem Hotel war ein Laden des Akkus möglich. Den Erstatzakku, den ich als Reserve mitgenommen habe, hab ich nur bei der Meran – Cles Strecke wirklich dringend benötigt. Wäre aber mit längerem Ladeaufenthalt oder noch sparsamerer Fahrweise möglich gewesen.

Ich würde und werde es jederzeit wieder tun. Jetzt habe ich Blut geleckt und freue mich auf die nächsten Touren.

Danke fürs Lesen

viel Spaß beim Biken 🙂 Julia

2 Kommentare zu „Mit dem Mountainbike über die Alpen

Gib deinen ab

    1. Hallo Jens, ja, mir einen Crossbike sollte die Tour auch möglich sein, allerdings werden einige Schiebepassagen auf Euch zukommen, vor allem in der letzten Etappe.. Solltet ihr damit keine Probleme haben, ist die Strecke definitiv machbar.

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